Trading neben dem Vollzeitjob: Wie Jonas 10% Rendite im Monat erzielte
September 2025 – Felix Hövelborn · 6 Min Lesezeit
„Am Anfang habe ich bei 50 € Verlust die Tischkante gebissen. Heute ist es mir egal — ob ich 50 € gewinne oder verliere, ich fange nicht an zu schreien vor Jubel und ich heul auch nicht deswegen." — Jonas Höhnen
Es gibt Geschichten, die klingen zu gut, um wahr zu sein. Und dann sitzt du jemandem gegenüber, der dir ruhig und sachlich erklärt, wie er sich als gelernter KFZ-Mechatroniker neben seinem Vollzeitjob eine profitable Trading-Strategie aufgebaut hat — allein mit kostenlosen YouTube-Videos.
Jonas Höhnen ist so jemand. Und sein Weg zeigt, was möglich ist, wenn man das Trading als das behandelt, was es ist: ein Beruf, der Prozesse, Disziplin und Geduld verlangt.
Von der Mosel nach Südfrankreich — und auf die Suche nach Unabhängigkeit
Jonas kommt ursprünglich von der Mosel. Gelernter KFZ-Mechatroniker, Werkzeugmacher, Industriemechaniker — ein Handwerker durch und durch. Seit etwa zwei Jahren lebt er mit seiner Freundin in Südfrankreich, wo die Arbeitssuche sich als kompliziert erwies.
Die Frage, die sich stellte: Zurück nach Deutschland pendeln? Einen Kompromiss finden? Oder etwas aufbauen, das ortsunabhängig funktioniert?
Trading kam wieder auf den Plan. Nicht als schnelles Geld, sondern als langfristiges Ziel: Wenn ich es schaffe, konstant profitabel zu sein, bin ich komplett ortsunabhängig. Egal ob Südfrankreich die letzte Station ist oder nicht — der Arbeitsplatz bleibt.
56 Seiten Notizen aus YouTube-Videos
Jonas hatte sich schon seit 2016 mit den Märkten beschäftigt — eher langfristig, eher passiv. Die intensive Phase begann vor etwa zwei Jahren. Sechs bis acht Monate reine Informationssuche, parallel dazu Paper Trading, um die Software kennenzulernen und Orderarten zu verstehen.
Was ihn von den meisten unterscheidet: Er hat sich Notizen gemacht. Ernsthaft Notizen. 56 Seiten, um genau zu sein.
„Holt euch Stift und Block, wenn ihr die Videos guckt. Manchmal werden Sachen zwischen zwei Zeilen gesagt, die entscheidend wichtig sind. Nach jedem Video das Geschriebene noch mal zusammenfassen."
Aus hunderten Videos destillierte er sich eine eigene Strategie. Relative Stärke und Schwäche gegenüber dem QQQ und den Magnificent Seven. Gap-Scanner, Earnings-Kalender, ADR-Filter. Stoploss unters Tagestief für mehr Luft. Ein 10er SMA als Trailing-Orientierung. Geduld als oberstes Prinzip.
Kein Hokuspokus. Kein geheimer Indikator. Einfach saubere Grundlagenarbeit.
10% pro Monat — mit klarem Risikomanagement
Dann der Schritt ins Live Trading. Jonas setzte sich eine klare Regel: Drei Monate konstant im Paper Trading, dann erst echtes Geld — und selbst dann mit halbiertem Risiko.
Die Zahlen: 10.000 € Konto. Nie mehr als 1% pro Trade. Maximal 1,5% Risiko pro Tag. Aufgeteilt auf drei Trades — zwei Versuche für das Hauptsetup, eine Wildcard für Gelegenheiten.
Das Ergebnis: 10% Rendite pro Monat.
„Ich habe mich gewundert, dass es so gut funktioniert. Ich dachte, dass es unrealistisch ist, das so fortzuführen."
Die entscheidende Frage ist natürlich: Was steckt hinter den 10%? Jonas hat nicht 5% pro Trade riskiert und Glück gehabt. Er hat professionell gedacht — in Tagesrisiko, nicht in Einzeltrades. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Den Vollzeitjob um das Trading herum gebaut
Jonas arbeitet in Frankreich in Vollzeit. Anfangs bis 18 Uhr — zu spät für die US-Markteröffnung um 15:30 Uhr deutscher Zeit. Also hat er mit seinem Arbeitgeber verhandelt: 8 bis 15 Uhr, ohne Pause, durcharbeiten. Pünktlich zum Opening am Rechner.
Keine Arbeitszeitreduzierung, kein Gehaltseinbruch. Einfach eine clevere Umstrukturierung, von der beide Seiten profitieren.
„Ich sehe es als mein Business an. Und wenn man es als Business behandelt, findet man auch die Zeit."
Das können sich viele mitnehmen. Die häufigste Ausrede ist: „Ich habe keine Zeit." Jonas zeigt, dass es nicht um mehr Zeit geht, sondern um bessere Struktur.
Die Mechaniker-Mentalität im Trading
Was Jonas einen echten Vorteil verschafft, ist sein beruflicher Hintergrund. Als Mechaniker und Prozessoptimierer denkt er in Systemen:
- Routine: Jeden Tag derselbe Ablauf, bis er im Schlaf funktioniert
- Prozessoptimierung: Eine Sache ändern, testen, auswerten — nie alles auf einmal
- Emotionale Kontrolle: Der Prozess entscheidet, nicht das Bauchgefühl
„Wenn mich jemand nachts weckt, würde ich wahrscheinlich denselben Ablauf tun, ohne darüber nachzudenken. Das muss ich auch im Trading hinkriegen."
Diese Denkweise ist im Trading Gold wert. Viele Trader suchen nach dem perfekten Setup — Jonas hat verstanden, dass es um den perfekten Prozess geht.
Nach 20 Jahren mit dem Rauchen aufgehört
Einer der beeindruckendsten Teile unseres Gesprächs hatte nichts mit Charts zu tun. Jonas hatte auf meine Empfehlung hin begonnen, Trading-Psychologie-Bücher zu lesen. Beim zweiten Buch — Atomic Habits von James Clear — machte es Klick.
Er erstellte eine Habit Card: Alle Aktivitäten des Tages auflisten und bewerten. Plus, Minus, Neutral. Auf der Liste war „relativ viel Minus", wie er selbst sagt. Rauchen war definitiv ein Minus.
Stück für Stück strukturierte er um. Ersetzte Zigaretten durch Kaugummis. Fing wieder mit Sport an, weil er besser Luft bekam. Eins führte zum anderen.
Nach 20 Jahren Rauchen — aufgehört. Seit über zwei Monaten rauchfrei.
„Eigentlich habe ich die Bücher angefangen zu lesen, um mein Trading zu verbessern. Aber mir gefällt dieser ganzheitliche Ansatz."
Für mich persönlich war das der beeindruckendste Moment im Gespräch. Trading-Rendite ist eine Sache. Aber eine 20-jährige Gewohnheit zu brechen, weil man angefangen hat, über Prozesse nachzudenken — das ist die eigentliche Transformation.
Das Ziel: In einem Jahr den Hauptberuf optional machen
Jonas ist inzwischen auch Mitglied im WirmachenTrader Pro Programm. Nicht weil er es zwingend gebraucht hätte — seine Ergebnisse sprechen für sich. Sondern weil er verstanden hat, dass Stagnation der Feind von Fortschritt ist.
„Ich habe gesehen, wie viel schneller ich dahingekommen wäre, hätte ich mich früher angemeldet."
Sein Ziel für das nächste Jahr: Die Arbeitsstunden weiter reduzieren oder den Hauptberuf ganz lassen. Nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt — genau wie beim Rauchen aufhören, genau wie beim Trading lernen.
Was du von Jonas lernen kannst
Jonas' Geschichte ist kein Einzelfall, aber sie ist besonders, weil sie zeigt, wie viel mit der richtigen Einstellung möglich ist:
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Behandle Trading als Beruf, nicht als Hobby. Jonas hat seinen Arbeitstag umstrukturiert, sich Routinen aufgebaut und das Ganze systematisch angegangen.
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Mach dir Notizen. 56 Seiten aus kostenlosen YouTube-Videos. Während andere passive konsumieren, hat Jonas aktiv gelernt. Das ist der Unterschied.
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Fang klein an und skaliere langsam. 10.000 € Konto, 1% Risiko pro Trade, drei Monate Paper Trading als Voraussetzung. Kein Übermut, kein FOMO.
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Optimiere den Prozess, nicht das Ergebnis. Die Mechaniker-Mentalität: Eine Variable ändern, testen, auswerten. Nicht alles auf einmal umwerfen.
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Investiere in dich selbst. Ob Bücher, Ausbildung oder einfach die Zeit, ein Video richtig anzuschauen — der größte Hebel bist immer du selbst.
Jonas' komplettes Interview kannst du dir oben im eingebetteten Video ansehen. Wenn du selbst den ersten Schritt machen möchtest, findest du auf unserem YouTube-Kanal hunderte kostenlose Videos — genau die Ressource, mit der auch Jonas gestartet ist.
Felix Hövelborn
Gründer von WirmachenTrader. Handelt seit über 14 Jahren. Experte für US-Aktien.