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Swing Trading neben Familie und Vollzeitjob: Wie Tobias seinen Durchbruch fand

November 2025Felix Hövelborn · 7 Min Lesezeit

„Ich war lange skeptisch, ob ich das noch mal machen muss. Aber die Lernerfolge, die ich sehen wollte, die sind eingetreten." — Tobias

Es gibt eine Geschichte, die ich immer wieder höre. Jemand startet mit Trading, verbrennt Zeit und Geld mit den falschen Produkten, den falschen Indikatoren, der falschen Herangehensweise — und gibt irgendwann frustriert auf. Was mich an Tobias' Geschichte fasziniert: Er hat nicht aufgegeben. Er hat nur den richtigen Weg noch nicht gefunden.

Und als er ihn gefunden hat, war es ausgerechnet Swing Trading am Ende des Tages — die Strategie, die perfekt zu seinem Leben als Familienvater mit Vollzeitjob passt.

Der Anfang: Bleistift, Lineal und ein Arbeitskollege

Tobias' erste Berührung mit der Börse klingt wie aus einer anderen Zeit. Ein Arbeitskollege, der Balkencharts mit Bleistift und Lineal auf Papier zeichnete. Kurse aus dem Videotext von NTV ablas. Und Trades per Telefon aufgab.

„Irgendwo faszinierend, aber irgendwie auch total irritierend — wir haben Handys, Internet, PCs und er macht es über Bleistift, Papier und Telefon."

Trotzdem: Die Faszination war geweckt. Tobias begann sich einzulesen, eröffnete sein erstes Konto — und landete genau dort, wo die meisten landen: bei YouTube-Content, WhatsApp-Gruppen und der Überzeugung, dass mehr Indikatoren besser sind.

Fünf bis sieben Jahre CFDs — und kein Durchbruch

Was folgte, war ein langer Weg durch die klassischen Fehler. CFDs, dreimal den Broker gewechselt, ein Intensivseminar über ein Wochenende — 12 Stunden pro Tag, vier Tage lang. Das Ergebnis: „Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Macht was draus."

„Das wusste ich davor eigentlich auch schon."

Das zentrale Problem: Tobias handelte Produkte und Märkte, die nicht zu seinem Leben passten. Der FDAX öffnet um 9 Uhr — da war er längst auf der Arbeit. Also versuchte er, den DAX nachmittags zu handeln. Suboptimal.

Dazu kam die Indikator-Falle: Strategien, die auf berechneten Werten aus der Vergangenheit basierten, ohne echtes Marktverständnis. Wenn zehn Trades in Folge verloren gingen, wusste Tobias nicht, ob die Strategie grundsätzlich nicht funktionierte oder ob er nur eine normale Verlustphase durchlief.

Das Tal der Tränen, wie er es nennt. Und ohne Orientierung gibt es keinen Grund, weiterzumachen.

Pause, ETFs — und dann der Knoten

Tobias tat, was vernünftig war: Er hängte das aktive Trading an den Nagel. Kümmerte sich um ETF-Sparpläne und Altersvorsorge. Investieren statt traden.

Aber die Leidenschaft blieb. Irgendwann stieß er erneut auf unsere Interviews — mit Jonas oder Manuel, er weiß es nicht mehr genau. Er schaute wieder Videos auf dem Kanal, sah, dass sich viel verändert hatte. US-Aktien statt DAX. Systematische Filterung statt Indikator-Chaos.

„Irgendwann ist der Knoten geplatzt. Es macht halt irgendwo Sinn, diesen Ansatz zu verfolgen."

Die Entscheidung, noch einmal in eine Ausbildung zu investieren, fiel ihm nicht leicht. Schlechte Erfahrungen mit dem ersten Coaching. Skepsis gegenüber Versprechen. Aber er machte sich einen Plan: Konkrete Lernziele setzen. Wenn die nicht eintreten, bleibt es ein Hobby.

Der Alltag eines Familienvaters, der tradet

Tobias' Tag ist durchgetaktet. 5 Uhr aufstehen, Bürojob, um 17 Uhr zu Hause. Dann: Familienzeit. Frau, zwei Kinder — fünf und zwei Jahre alt. Gemeinsam Abendessen, Spielzeit, aufräumen, Schlafanzug anziehen, ins Bett bringen.

Ab 19:30 oder 20 Uhr beginnt sein Zeitfenster. Genau dann, wenn die US-Börsen noch aktiv sind.

Und genau hier hat Swing Trading am Ende des Tages alles verändert.

Der Durchbruch: End-of-Day Swing Trading

Als wir in der Ausbildung die Swing-Trading-Strategie durchgenommen haben, war Tobias' Reaktion klar:

„Das ist genau das, was ich eigentlich erstmal gebraucht habe."

Das Prinzip: Abends nach Börsenschluss die Märkte screenen. Aus tausenden Aktien die besten Kandidaten filtern — nicht über Indikatoren, sondern über klare, nachvollziehbare Kriterien. Relative Stärke, Marktumfeld, saubere Chart-Setups. Von zehn gescreenten Titeln schaffen es vielleicht zwei oder drei ins Portfolio.

Eine Stunde bis anderthalb Stunden am Abend. Mehr braucht es nicht.

Der entscheidende Unterschied zu seinen CFD-Zeiten: Tobias handelt nicht mehr den immer gleichen Markt mit immer denselben Indikatoren. Er nimmt sich die Aktien, die gerade am besten laufen — oder am schlechtesten, je nach Marktphase. Aus einem Universum von über 5.000 Aktien die besten Gelegenheiten filtern, statt mit kaputten Kugeln zu spielen.

Die 3R-Lektion: Warum der Gesamtmarkt entscheidend ist

Tobias hatte seinen schmerzhaftesten Moment, als er eine Warnung ignorierte. Der Markt war überhitzt, ich hatte mehrfach gewarnt — er ging trotzdem über Nacht long.

„Ich habe die Warnung ignoriert. Es kam ein fettes Gap gegen mich. Fast drei R waren weg."

Drei R bedeutet: der dreifache Betrag seines geplanten Risikos. Keine Katastrophe, aber eine klare Lektion. Stoploss funktioniert über Nacht nicht wie untertags. Wer Swing Trading betreibt, muss den Gesamtmarkt verstehen.

Seitdem hat sich Tobias' Denkweise fundamental verändert. Er schaut nicht mehr nur auf einzelne Charts, sondern fragt: Fließt gerade Geld in den Markt oder wird es rausgezogen? Diese Drei-bis-Fünf-Tage-Perspektive ist der Unterschied zwischen einem Setup, das funktioniert, und einem, das über Nacht gegen dich läuft.

Vom Indikator-Denken zum Marktverständnis

Was mich an Tobias' Entwicklung am meisten beeindruckt, ist der Wandel in seinem Denken. Früher: Indikator X kreuzt Indikator Y, also kaufen. Heute: Was machen die anderen Marktteilnehmer? Wer muss raus? Wer will rein?

„Dieses Verständnis — es gibt unendlich viele Marktteilnehmer und jede Kerze ist die Summe aller Entscheidungen. In der Theorie war dieses Wissen immer da. Aber dass der Knoten wirklich geplatzt ist, kam erst mit der Academy."

Tobias beschreibt es als den Unterschied zwischen „ich folge einem Signal" und „ich verstehe, warum dieses Setup funktioniert". Wenn man versteht, dass große Fonds ihre Positionen auflösen müssen und was das für den Kurs bedeutet, dann hat man nicht einfach nur eine Strategie — man hat ein Handwerk.

Oktober: 10R Plus — 5% Kontorendite

Tobias' erster wirklich starker Monat kam im Oktober — vier Monate nach dem Start. 10R im Plus, was bei seinem Risikomanagement etwa 5% Kontorendite entspricht.

Kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klaren Prozesses:

  1. Die richtige Strategie für den eigenen Alltag — End-of-Day statt Intraday
  2. Systematische Aktienauswahl statt dem immer gleichen Markt
  3. Marktumfeld berücksichtigen — nicht blind long gehen, wenn Geld aus dem Markt fließt
  4. Risiko pro Position begrenzen — maximal zwei bis drei Swing-Positionen gleichzeitig

September war sein schlechtester Monat. Eine Mischung aus Übermut und noch fehlendem Wissen, wie er selbst sagt. Aber genau das gehört zum Prozess.

Was du von Tobias lernen kannst

Tobias' Geschichte ist besonders wertvoll, weil sie so realistisch ist. Kein Übernacht-Erfolg, kein magisches System. Stattdessen ein langer Weg mit Umwegen — und am Ende die Erkenntnis, dass es nicht um die perfekte Strategie geht, sondern um die richtige Strategie für dein Leben.

  1. Deine Strategie muss zu deinem Alltag passen. Tobias konnte morgens um 9 Uhr keinen DAX handeln. Swing Trading am Abend war die Lösung, nicht mehr Disziplin oder weniger Schlaf.

  2. Mehr Indikatoren sind nicht die Antwort. Jahre mit CFDs und Indikator-Stacking haben Tobias nicht profitabel gemacht. Marktverständnis schon.

  3. Hinfallen ist erlaubt — aufstehen ist Pflicht. Tobias hat das Trading zwischenzeitlich an den Nagel gehängt. Er ist zurückgekommen, weil die Leidenschaft blieb — aber diesmal mit einem Plan.

  4. Respektiere den Gesamtmarkt. Die teuerste Lektion war ein Gap gegen die Position, weil er Warnzeichen ignorierte. Swing Trader müssen den Markt lesen können.

  5. Setze dir Lernziele, nicht nur Renditeziele. Tobias' Maßstab war nicht „X Prozent im ersten Monat", sondern „sehe ich konkrete Fortschritte in meinem Prozess?"


Das komplette Interview mit Tobias findest du oben im eingebetteten Video. Wenn du wissen möchtest, ob Swing Trading auch zu deinem Alltag passen könnte, schau dir unsere kostenlosen Videos auf YouTube an — dort findest du den gleichen Content, mit dem auch Tobias seinen Weg gestartet hat.

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Felix Hövelborn

Gründer von WirmachenTrader. Handelt seit über 14 Jahren. Experte für US-Aktien.

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