Trading Journal: Warum ich nach Jahren mit TradeZella und Tradervue mein eigenes gebaut habe
Oktober 2026 – Felix Hövelborn · 9 Min Lesezeit
Ich habe jahrelang mit Trading Journals gearbeitet. Erst mit Excel, dann mit Tradervue, später mit TradeZella. Beide Tools machen ihren Job gut: Jeder Trade ist drin, jede Kennzahl, jeder Chart. Und trotzdem habe ich bei mir und bei den Tradern, die ich im Mentoring begleite, immer wieder dasselbe Muster gesehen. Die Auswertung war sauber, die Fehler kamen trotzdem wieder.
Irgendwann wurde mir klar, woran das liegt: Ein klassisches Journal setzt an der falschen Stelle an. Es zeigt dir das Ergebnis. Der Fehler entsteht aber vorher, im Prozess vor dem Trade. Genau deshalb habe ich mit dem WMT Journal ein eigenes Trading Journal gebaut, das beim Plan beginnt statt bei der Auswertung.
In diesem Beitrag erkläre ich dir, was ich damit meine, warum dieser Unterschied für deine Entwicklung als Trader entscheidend ist und was ich bewusst anders gemacht habe.
Was ein Trading Journal leisten soll
Ein Journal hat eine einzige Aufgabe: Es soll dich zu einem besseren Trader machen. Nicht zu einem Trader mit schöneren Statistiken, sondern zu einem, der seine Regeln einhält und dessen Ergebnisse dadurch stabiler werden.
Die meisten Tools beantworten dafür Fragen wie:
- Wie hoch ist meine Trefferquote?
- Welches Setup hat die beste Erwartung?
- Zu welcher Uhrzeit verdiene ich am meisten?
- Wie sieht meine Equity-Kurve aus?
Das sind gute Fragen. Aber sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie schauen zurück. Sie beschreiben, was passiert ist. Die viel wichtigere Frage stellen sie kaum: Hast du getan, was du dir vorgenommen hattest?
Das eigentliche Problem liegt vor dem Trade
Wenn ich mit Mentees ihre Verlusttrades durchgehe, ist die Ursache selten in den Daten versteckt. Sie liegt fast immer in einem dieser Punkte:
- Es gab keinen schriftlichen Plan. Der Trade ist spontan entstanden, weil sich gerade etwas bewegt hat.
- Der Stopp wurde verschoben. Erst ein kleines Stück, dann noch ein Stück, und aus einem geplanten 1R-Verlust wurde ein 3R-Verlust.
- Die Positionsgröße kam aus dem Bauch. Nach zwei Gewinnern war die Position plötzlich doppelt so groß.
- Das Setup war gar keins. Es sah so ähnlich aus wie das, was im Playbook steht, aber zwei von fünf Kriterien waren nicht erfüllt.
Kein Report der Welt löst diese Probleme, wenn er erst am Abend oder am Wochenende auf den Bildschirm kommt. Bis dahin ist die Entscheidung, die den Verlust verursacht hat, längst getroffen. Wenn du dich hier wiedererkennst, lies auch meinen Beitrag über den disziplinierten Trader.
Der Ansatz: erst planen, dann handeln, dann vergleichen
Das WMT Journal dreht die Reihenfolge um. Es beginnt dort, wo dein Trading beginnt: am Morgen vor der Eröffnung.
1. Der Tagesplan vor der Eröffnung
Du schreibst jeden Play auf, bevor der Markt dich überreden kann: Symbol, Richtung, Einstieg und Stopp. Die Positionsgröße rechnet das Journal aus deinem Risikolimit pro Trade aus, nicht aus deiner Laune. Wie du die richtige Größe grundsätzlich bestimmst, zeige ich dir im Beitrag zum Risikogrößen-Rechner.
2. Das Playbook während der Session
Jeder Play kann mit einem Playbook verknüpft sein, also mit der Checkliste deines Setups. Die Liste kannst du in einem eigenen Fenster neben deiner Handelsplattform offen haben und Punkt für Punkt abhaken. Welche Arten von Setups es überhaupt gibt, findest du in meinem Beitrag über die vier Arten von Trade-Setups.
3. Der Abgleich nach dem Handelsschluss
Deine Trades kommen automatisch über den Broker-Sync oder per Datei-Upload ins Journal. Dann gleicht das Journal jeden Trade mit deinem Plan ab: Stand er auf dem Plan? War er gar nicht geplant? Oder hast du sogar die falsche Richtung gehandelt? Zusätzlich prüft es jeden Trade gegen deine Risikolimits.
Wichtig dabei: Das Journal warnt, es blockiert nie. Die Disziplin bleibt deine Aufgabe. Aber du kannst dich nicht mehr selbst belügen, weil der Vergleich schwarz auf weiß dasteht.
4. Die Auswertung, die zum Plan zurückführt
Die Kennzahlen, die du von anderen Journals kennst, gibt es natürlich auch: Erwartungswert, Profitfaktor, R-Verteilung, Drawdown, Serien, Haltedauer, Wochentage. Der Unterschied ist, dass sie eine andere Frage beantworten. Nicht nur: Was ist passiert? Sondern: Hast du getan, was du gesagt hast, und was war das wert?
Jede Woche siehst du zum Beispiel, wie viele deiner Plays du tatsächlich gehandelt hast, wie viel Prozent deiner Trades auf dem Plan standen und was dir die Trades auf dem Plan im Vergleich zu den ungeplanten eingebracht haben. In den meisten Fällen ist diese eine Zahl aufschlussreicher als jede Trefferquote.
Risiko, das sich deinem Konto anpasst
Ein Punkt, an dem ich lange herumprobiert habe, ist das Risikomanagement im Drawdown. Die meisten Trader nutzen ein festes Risiko pro Trade. Das ist besser als gar keine Regel, aber es hat eine Schwäche: In einer Verlustphase riskierst du genauso viel wie in einer Gewinnphase, obwohl deine Form gerade offensichtlich nicht stimmt.
Im WMT Journal gibt es deshalb neben festen Dollar-Limits eine Drawdown Ladder. Dein Risiko pro Trade sinkt in Stufen, je weiter du unter deinem bisherigen Höchststand liegst. Auf der tiefsten Stufe riskierst du nur noch einen Bruchteil und bekommst den Hinweis, dein Trading zu überprüfen. Die Schwellen und das Risiko pro Stufe legst du selbst fest, die Voreinstellung ist bewusst konservativ.
Nach oben geht es erst wieder, wenn du dich klar erholt hast. So springst du nicht bei jedem kleinen Gewinn hin und her. Das Prinzip dahinter ist einfach: Verluste bremsen dich doppelt, weil du einen kleineren Prozentsatz von einem kleineren Konto riskierst. Genau das schützt dich in den Phasen, in denen die meisten Konten wirklich Schaden nehmen.
Dazu kommen Teil-Stopps pro Trade. Wenn du einen Teil der Position mit einem anderen Stopp absicherst als den Rest, rechnet das Journal dein tatsächliches Risiko daraus. Jedes R-Vielfache basiert damit auf dem Risiko, das du wirklich eingegangen bist.
Jeder Trade im Kontext des Marktes
Ein Trade passiert nie im luftleeren Raum. Ein Breakout an einem Tag, an dem der Gesamtmarkt fällt, ist ein anderer Trade als derselbe Breakout im Aufwärtstrend. Das wissen die meisten Trader, aber kaum jemand dokumentiert es konsequent. Taggen ist mühsam, und nach drei Wochen hört man damit auf.
Deshalb hält das WMT Journal den Marktkontext automatisch fest, für jeden Trade und ohne dass du etwas eintragen musst:
- Wie stand der Gesamtmarkt, und ging dein Trade mit oder gegen den Markttrend?
- Wie groß war das Gap, und wie weit war die Aktie bis zu deinem Einstieg schon gelaufen?
- Wie hoch war das relative Volumen bis zu deinem Einstieg im Vergleich zu den Vortagen?
- Bist du über dem Premarket-Hoch, über der Opening Range oder über dem VWAP eingestiegen?
- Gab es Earnings? Bist du am Reaktionstag eingestiegen oder hast du die Position über die Zahlen gehalten?
- Wie hoch war die Marktkapitalisierung zum Zeitpunkt des Trades, und in welchem Sektor war die Aktie?
Über viele Trades hinweg entsteht daraus ein Bild, das du mit Tags kaum hinbekommst. Du siehst zum Beispiel, ob deine Breakouts nur in einem steigenden Markt funktionieren oder ob du bei Small Caps unter einer bestimmten Größe systematisch Geld verlierst.
Auf deinem Tagesplan siehst du außerdem, welche Unternehmen an diesem Tag ihre Zahlen melden, und du bekommst einen Hinweis, wenn eine Position, die du hältst, in den nächsten Tagen berichtet.
Was ich bewusst weggelassen habe
Mindestens genauso wichtig wie das, was ein Tool kann, ist das, was es nicht kann. Ein paar Dinge, die logisch klingen, habe ich bewusst nicht gebaut:
- Keine Zeichenwerkzeuge und Indikatoren im Chart. Du hast bereits eine Chartplattform, die du gut kennst. Das Journal zeigt deine Ein- und Ausstiege und deine Stopps auf dem Chart, und dabei bleibt es.
- Kein Backtesting. Ein Journal, das gleichzeitig ein Simulator sein will, macht am Ende beides nur halb.
- Keine Wand aus Hunderten Reports. Eine Handvoll Auswertungen, aus denen du eine Entscheidung ableiten kannst, ist mehr wert als eine endlose Liste, durch die du nur scrollst.
- Kein Blockieren. Das Journal warnt dich, es verhindert nie einen Trade. Erwachsene Trader brauchen keine Kindersicherung, sondern einen ehrlichen Spiegel.
Diese Entscheidungen machen das Journal schmaler als viele Alternativen. Das ist Absicht. Jede zusätzliche Funktion kostet Aufmerksamkeit, und genau die soll in deinen Plan fließen.
Für wen das WMT Journal gedacht ist
Das WMT Journal ist für Day und Swing Trader mit US-Aktien und ETFs gebaut. Unterstützt werden Interactive Brokers und CapTrader mit täglichem Auto-Sync oder Datei-Upload, außerdem TradeZero, Cobra Trading und TradingView Paper Trading per Datei-Upload.
Es passt gut zu dir, wenn du:
- deine Regeln eigentlich kennst, sie aber nicht konsequent einhältst
- dein Risiko systematisch statt aus dem Bauch steuern willst
- mit Playbooks arbeitest oder damit anfangen möchtest
- verstehen willst, unter welchen Marktbedingungen deine Setups wirklich funktionieren
Es passt eher nicht, wenn du Futures, Optionen oder Forex handelst, Backtesting suchst oder in erster Linie möglichst viele Statistiken willst. Dann sind TradeZella oder Tradervue die bessere Wahl. Einen ehrlichen Vergleich findest du auf den Seiten WMT Journal vs TradeZella und WMT Journal vs Tradervue.
Was das WMT Journal kostet
Es gibt zwei Pläne:
- Solo für 29 € im Monat oder 290 € im Jahr: das komplette System für ein Konto mit Tagesplan, Risikolimits, Zielen, fünf Playbooks und allen Auswertungen.
- Pro für 49 € im Monat oder 490 € im Jahr: zusätzlich der Marktkontext zu jedem Trade, das Earnings-Briefing, die Drawdown Ladder, Mentor-Zugang, bis zu zehn Konten und erweiterte Auswertungen.
Beide Pläne kannst du monatlich kündigen.
Fazit
Ein Trading Journal sollte dich nicht nur daran erinnern, was passiert ist. Es sollte dich an das erinnern, was du dir vorgenommen hattest. Die meisten Fehler im Trading sind keine Analyse-Fehler, sondern Prozess-Fehler: kein Plan, ein verschobener Stopp, eine Größe aus dem Bauch. Genau dort setzt das WMT Journal an.
Wenn du dich in den Mustern oben wiedererkennst, probier es aus: journal.wmt.so. Schreib morgen vor der Eröffnung deinen ersten Plan und schau dir am Abend an, wie dein Tag dagegen abgeschnitten hat. Dieser eine Vergleich wird dir mehr über dein Trading verraten als jede Trefferquote.
Felix Hövelborn
Gründer von WirmachenTrader. Handelt seit über 14 Jahren. Experte für US-Aktien.