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Ich lerne seit einem Jahr Trading — und komme nicht voran. Woran liegt das?

Februar 2026Felix Hövelborn · 4 Min Lesezeit

„Ich schaue seit einem Jahr Videos, habe Bücher gelesen, Kurse gemacht — aber ich habe noch keine Strategie, die ich meine nennen kann."

Das ist kein Einzelfall. Das ist das Muster, das ich in fast jedem zweiten Gespräch höre.

Jemand ist motiviert. Investiert Zeit. Nimmt das Thema ernst. Und trotzdem kommt der Durchbruch nicht. Nach einem Jahr ist man nicht weiter als nach drei Monaten — manchmal sogar verwirrter.

Woran liegt das?

Das Paradox: Mehr Lernen macht es schlimmer

Klingt kontraintuitiv. Stimmt aber.

Wer unstrukturiert konsumiert, sammelt keine Erkenntnisse — er sammelt Widersprüche.

YouTube-Video A sagt: Immer Stop-Loss unter das letzte Tief. YouTube-Video B sagt: Stop-Loss ist die Versicherung der Market Maker. Ein Buch empfiehlt RSI. Ein Podcast erklärt, warum RSI wertlos ist.

Das Ergebnis nach zwölf Monaten: Kein Fundament. Ein Flickenteppich aus halbverstandenen Konzepten, die sich gegenseitig widersprechen.

„Jeder sagt was anderes."

Dieser Satz beschreibt keinen Informationsmangel. Er beschreibt einen Filter-Mangel.

Muster 1: Kein Filterkriterium

Wer ohne Fundament lernt, hat keinen Maßstab, um Informationen zu bewerten. Jede neue Methode klingt plausibel. Jeder YouTuber hat überzeugende Charts. Jede Strategie hat Backtests.

Das Problem ist nicht die schlechte Information. Das Problem ist, dass du keine Grundlage hast, um schlechte von guter Information zu unterscheiden.

Trading lernen ohne Fundament ist wie Sprachen lernen ohne Grammatik. Man kann sich einzelne Vokabeln merken — aber sie ergeben keinen Satz.

Das Fundament ist nicht glamourös: Marktstruktur. Wie Kursbewegungen entstehen. Was eine Kerze wirklich aussagt. Warum große Marktteilnehmer bestimmte Level verteidigen.

Wer das versteht, kann Information einordnen. Wer es nicht versteht, akkumuliert Widersprüche.

Muster 2: Kein Feedbacksystem

Der zweite Grund ist subtiler.

Wenn du 100 Trades machst — wie viele davon waren richtig, weil dein Prozess stimmte? Und wie viele waren zufällig profitabel, weil der Markt in die richtige Richtung lief?

Ohne Trading-Journal, ohne klare Kriterien, ohne systematische Auswertung: lernst du nicht aus deinen Trades. Du erlebst sie nur.

„Ich habe keine Strategie — wenn es Verluste gab, hab ich die Position einfach gehalten."

Das ist kein Disziplinproblem. Das ist das Fehlen eines klaren Regelwerks — nach dem man handelt und nach dem man sich selbst bewertet.

Muster 3: Taktiken ohne System

YouTube-Content liefert meistens Taktiken. Eine Setup-Idee hier, ein Indikator dort, eine Chart-Formation. Das ist nützlich — aber Taktiken ergeben kein System.

Ein System beantwortet folgende Fragen konsistent:

  • Wann gehe ich in einen Trade?
  • Wann gehe ich raus?
  • Wie viel riskiere ich pro Trade?
  • Wie entscheide ich, ob der Markt gerade handelbar ist?

Die meisten Lernenden können einzelne dieser Fragen beantworten — aus irgendeiner Quelle, die sie mal konsumiert haben. Aber die Antworten passen nicht zusammen. Sie stammen aus fünf verschiedenen Systemen.

Ein Flickenteppich aus Taktiken ist kein System. Es ist Rauschen.

Muster 4: Lernen als Konsumieren

Das vierte Muster ist das psychologisch schwierigste — weil es sich wie Lernen anfühlt.

Einen Trading-Podcast hören ist kein Lernen. Ein YouTube-Video schauen ist kein Lernen. Sogar ein Buch lesen ist noch kein Lernen.

Lernen beginnt, wenn du das Gehörte anwendest, austestest und reflektierst. Wer Videos konsumiert ohne danach zu üben, bekommt das Gefühl, Fortschritte zu machen — ohne welche zu machen.

Jonas — einer unserer Studenten — hat das aus einem einfachen Grund anders gemacht: Er hat sich bei jedem Video Notizen gemacht. 56 Seiten aus kostenlosen YouTube-Videos. Dann Paper Trading. Dann Auswertung. Drei Monate, bevor er mit echtem Geld startete.

Das ist kein schneller Weg. Aber es ist ein Weg, der irgendwo ankommt.

Was den Unterschied macht

Wer ein Jahr lernt und nicht vorankommt, braucht nicht mehr Content. Er braucht:

  1. Ein Fundament — Marktstruktur und Risikomanagement als Basis, bevor Taktiken darauf aufgebaut werden
  2. Ein System — eine konsistente Methode, die alle Fragen eines Trades beantwortet, nicht fünf Halbsysteme aus verschiedenen Quellen
  3. Ein Feedbacksystem — Trading-Journal, klare Bewertungskriterien, regelmäßige Auswertung
  4. Anwendung — aktives Lernen statt passives Konsumieren. Paper Trading, Backtests, Reflexion.

Und manchmal: jemanden, der von außen sagt, was du falsch machst.

„Ich brauche jemanden, der mir sagt: Das machst du falsch. So geht's richtig."

Das ist der Moment, in dem viele bei uns anklopfen. Nicht weil der Content nicht gut war. Sondern weil Content alleine nicht reicht, wenn man keinen Spiegel hat.


Wenn du erkennst, dass du in diesem Muster feststeckst: Der erste Schritt ist nicht ein neues YouTube-Video. Schau dir an, was du in den letzten Monaten gelernt hast — und beantworte ehrlich: Hast du ein System? Oder hast du eine Sammlung von Ideen?

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Felix Hövelborn

Gründer von WirmachenTrader. Handelt seit über 14 Jahren. Experte für US-Aktien.

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