Was ist Swing Trading? Definition, Ablauf und Vergleich zum Daytrading
Februar 2026 – Felix Hövelborn · 6 Min Lesezeit
Was ist Swing Trading?
Swing Trading ist eine Handelsstrategie, bei der Positionen typischerweise mehrere Tage bis wenige Wochen gehalten werden. Das Ziel: von mittelfristigen Kursbewegungen — sogenannten „Swings" — zu profitieren, ohne den ganzen Tag am Bildschirm sitzen zu müssen.
Im Gegensatz zum Daytrading werden Positionen über Nacht gehalten. Im Gegensatz zum langfristigen Investieren geht es nicht um Monate oder Jahre, sondern um Bewegungen, die sich in Tagen bis Wochen entfalten.
Die Analyse findet in der Regel in der letzten Handelsstunde statt (21–22 Uhr deutscher Zeit). Man schaut, was der Markt heute gemacht hat, filtert die besten Kandidaten heraus und ist positioniert, bevor der Markt schließt. Danach läuft die Position — ohne aktives Eingreifen.
Wie ein Swing-Trading-Tag in der Praxis aussieht
Das ist das Muster, das sich bei erfolgreichen Swing Tradern mit Vollzeitjob immer wieder zeigt:
Abends, in der letzten Handelsstunde (21–22 Uhr deutscher Zeit):
- Marktumfeld prüfen: Fließt gerade Geld in den Markt oder wird es abgezogen? Ist der Gesamtmarkt in einer Trendphase oder in einer Konsolidierung?
- Aktien screenen: Aus einem Universum von mehreren tausend US-Aktien filterst du nach relativer Stärke, Volumen und sauberen Chart-Setups. Aus 20 Kandidaten bleiben vielleicht zwei oder drei übrig.
- Setups bewerten: Wo liegt der sinnvolle Einstieg? Wo liegt der Stop-Loss? Wie hoch ist das Risiko pro Trade?
- Stop-Loss setzen: Du bist eingestiegen — jetzt legst du deinen Stop-Loss fest. Fertig.
Am nächsten Tag:
Du arbeitest. Der Trade läuft.
Keine Live-Überwachung. Kein ständiger Blick aufs Handy. Die Order ist gesetzt, der Stop-Loss schützt dich. Am Abend schaust du, was passiert ist — und ob sich neue Setups ergebsen haben.
Zeitaufwand: 30–60 Minuten am Abend. In aktiven Phasen vielleicht etwas mehr.
Swing Trading vs. Daytrading: Die wichtigsten Unterschiede
| Swing Trading | Daytrading | |
|---|---|---|
| Haltedauer | Tage bis Wochen | Minuten bis Stunden |
| Wann du aktiv bist | 21–22 Uhr | 15:30–22 Uhr |
| Zeitaufwand täglich | 30–60 Minuten | 2–6 Stunden oder mehr |
| Geeignet für Berufstätige | Ja | Nur bedingt |
| Stresslevel | Niedriger | Höher |
| Anzahl Trades | Wenige, gezielte Trades | Mehrere Trades täglich |
| Kapitalbedarf | Moderater Einstieg möglich | Moderater Einstieg möglich |
Daytrading erfordert, dass du während der Marktzeiten am Rechner sitzt. Die US-Märkte öffnen um 15:30 Uhr deutscher Zeit. Für jemanden, der bis 17 oder 18 Uhr arbeitet, ist das schlicht nicht umsetzbar.
Swing Trading löst dieses Problem. Die Analyse findet statt, wenn du sowieso Zeit hast — abends. Die Umsetzung übernimmt die Order, die du vorher gesetzt hast.
Das bedeutet nicht, dass Swing Trading einfacher ist. Es bedeutet, dass es in einen normalen Arbeitsalltag passt.
Für wen Swing Trading geeignet ist
Swing Trading funktioniert besonders gut für Menschen, die:
- Vollzeitberufstätig sind und während der Börsenzeiten nicht am Rechner sitzen können
- Wenig Zeit haben, aber diese Zeit strukturiert nutzen wollen
- Geduldig sind — Swing Trading braucht keine schnellen Reflexe, aber die Fähigkeit, auf das richtige Setup zu warten
- Systematisch denken — wer in Regeln und Prozessen denkt, hat einen natürlichen Vorteil
Tobias, einer unserer Studenten, ist Familienvater mit Vollzeitjob und zwei kleinen Kindern. Sein Handelsfenster beginnt um 20 Uhr. Vier Monate nach dem Start buchte er seinen ersten wirklich starken Monat — 10R im Plus, was bei seinem Risikomanagement rund 5% Kontorendite bedeutet. Seine Geschichte erzählt er hier.
Für wen Swing Trading weniger geeignet ist
- Wer schnelle, tägliche Ergebnisse braucht — Swing Trading braucht Geduld über mehrere Tage
- Wer Schlaf durch über-Nacht-Positionen nicht erträgt — das gehört zum Modell
- Wer ein sehr kleines Startkapital hat und deshalb hohe Hebel benötigt — das erhöht das Risiko erheblich
Was du für den Start brauchst
1. Marktverständnis als Grundlage
Kein Indikator ersetzt das Verständnis dafür, wie Märkte funktionieren. Warum bewegt sich ein Kurs? Wer kauft, wer verkauft? Was bedeutet relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt?
Wer das versteht, kann Setups selbst beurteilen. Wer es nicht versteht, folgt Signalen — und weiß nie, warum sie funktionieren oder scheitern.
2. Risikomanagement
Das ist das Fundament. Wie viel riskierst du pro Trade? Wie viel pro Tag? Wie setzt du einen sinnvollen Stop-Loss, der nicht zu eng sitzt, aber auch nicht zu viel Kapital exponiert?
Die gängige Faustregel für den Einstieg: maximal 1% des Kontos pro Trade. Das klingt klein — es schützt dich aber davor, in einem schlechten Monat alles zu verlieren.
3. Ein Screening-System
Aus tausenden Aktien die besten Kandidaten zu filtern ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. Kriterien wie relative Stärke, Volumen, Average Daily Range und saubere Chartstruktur helfen dabei, die Suche einzugrenzen. Nicht jede Aktie eignet sich — und wer das falsche Universum handelt, kämpft von vornherein mit schlechten Chancen.
4. Ein Trading-Journal
Ohne Aufzeichnungen kein Lernen. Wer nicht dokumentiert, was er getan hat und warum, kann aus Fehlern nicht systematisch lernen. Das Journal ist das wichtigste Werkzeug zur Selbstverbesserung.
Häufige Fragen zu Swing Trading
Was ist der Unterschied zwischen Swing Trading und Daytrading?
Daytrading bedeutet, Positionen innerhalb eines Handelstages zu eröffnen und zu schließen — kein Overnight-Risiko, aber volle Präsenz während der Marktzeiten. Swing Trading hält Positionen über Nacht oder mehrere Tage. Der wesentliche praktische Unterschied: Swing Trading lässt sich mit einem Vollzeitjob vereinbaren, Daytrading in der Regel nur, wenn du bereits um 15 Uhr deutscher Zeit zu Hause bist.
Wie viel Kapital brauche ich für Swing Trading?
Es gibt keine Mindestgrenze, aber unter 3.000 € wird es schwierig, das Risikomanagement sinnvoll umzusetzen. Mit einem zu kleinen Konto sind die absoluten Beträge pro Trade so gering, dass die Transaktionskosten ins Gewicht fallen. Ein realistischer Startpunkt liegt bei 3.000–10.000 €.
Wie viel Zeit brauche ich täglich für Swing Trading?
In der Routine: 30–60 Minuten am Abend. In der Lernphase, also den ersten Monaten, deutlich mehr — weil du gleichzeitig das Handwerk lernst.
Kann man mit Swing Trading wirklich ein Nebeneinkommen aufbauen?
Ja — aber nicht sofort und nicht ohne strukturiertes Lernen. Die realistischen ersten Ziele sind: kein Geld verlieren, den Prozess verstehen, die eigene Strategie finden. Ein stabiles Nebeneinkommen ist ein mittelfristiges Ziel, nicht eines der ersten drei Monate.
Was ist relative Stärke im Swing Trading?
Relative Stärke bedeutet, dass eine Aktie sich besser entwickelt als der Gesamtmarkt oder eine Referenzgröße wie der QQQ. Wenn der Markt 2% fällt, aber eine Aktie nur 0,5% — zeigt sie relative Stärke. Das ist ein Signal, dass institutionelles Geld in dieser Aktie steckt. Swing Trader suchen gezielt nach solchen Kandidaten.
Ist Swing Trading für Anfänger geeignet?
Swing Trading ist für Anfänger zugänglicher als Daytrading — wegen des geringeren Zeitdrucks und der Möglichkeit, Entscheidungen in Ruhe zu treffen. Trotzdem gilt: Ohne Grundlagenwissen zu Marktstruktur und Risikomanagement wird auch Swing Trading langfristig Verluste produzieren.
Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst: Auf unserem YouTube-Kanal findest du ausführliche Videos zu Swing-Trading-Strategien, der Aktienauswahl und dem richtigen Einstieg. Oder schau dir direkt an, wie eine strukturierte Ausbildung aussieht.
Felix Hövelborn
Gründer von WirmachenTrader. Handelt seit über 14 Jahren. Experte für US-Aktien.