Die häufigsten Fragen zum Trading — ehrlich beantwortet
Februar 2026 – Felix Hövelborn · 7 Min Lesezeit
Das sind die Fragen, die ich am häufigsten höre — in Gesprächen, in Kommentaren, per E-Mail. Ich habe versucht, sie so direkt zu beantworten, wie ich es in einem persönlichen Gespräch tun würde.
Grundlagen
Kann man Trading wirklich lernen, oder braucht man dafür ein besonderes Talent?
Trading ist ein Handwerk, kein Talent. Wer systematisch vorgeht, Grundlagen versteht und konsequent aus Fehlern lernt, kann profitabel traden lernen. Meine eigene Erfahrung und die von hunderten Studenten zeigt das.
Was es braucht: Geduld, Disziplin und die Bereitschaft, einen Prozess zu lernen — nicht nach Abkürzungen zu suchen.
Was ist der Unterschied zwischen Trading und Investieren?
Investieren bedeutet, Kapital langfristig anzulegen — typischerweise in ETFs oder Aktien, mit einem Horizont von Jahren oder Jahrzehnten. Kursrückgänge werden ausgesessen.
Trading bedeutet, aktiv von kürzfristigen Kursbewegungen zu profitieren — in Tagen, Wochen oder Monaten. Trader können auch von fallenden Kursen profitieren (Short-Positionen) und passen ihre Positionierung aktiv an das Marktumfeld an.
Beides hat seine Berechtigung. Wer kein Interesse an Märkten hat, ist mit einem ETF-Sparplan oft besser bedient als mit aktivem Trading.
Welche Märkte eignen sich für Einsteiger am besten?
US-Aktien. Aus mehreren Gründen: hohe Liquidität, breite Auswahl, klare Marktstruktur, gut dokumentierte Informationen. Der US-Markt ist der größte und liquide Aktienmarkt der Welt — was bedeutet, dass Setups zuverlässiger funktionieren als in kleinen, illiquiden Märkten.
Kryptowährungen und Forex eignen sich für Einsteiger deutlich schlechter — und das hat wenig mit Volatilität zu tun. Das eigentliche Problem: In diesen Märkten handelt man meistens CFDs — also brokerabhängige Produkte, die nicht an echten Börsen gelistet sind. Der Broker steht dabei oft auf der Gegenseite des Trades.
Dazu kommt: Krypto und Forex haben kaum echte Katalysatoren. Bei US-Aktien gibt es Quartalszahlen, Produktnachrichten, Analystenberichte — klare Ereignisse, die Bewegungen auslösen und sich im Chart ablesen lassen. In Forex und Krypto fehlt das weitgehend. Was bleibt, ist technische Analyse auf Märkten, die deutlich anfälliger für Manipulation und willkürliche Bewegungen sind.
Die Vermarktung dieser Märkte an Einsteiger ist vor allem eines: ein Geschäftsmodell. Echte Katalysatoren, echte Aktien, echte Börsenstruktur — das findest du im US-Aktienmarkt.
Zeitaufwand und Alltag
Kann ich Trading neben meinem Vollzeitjob lernen?
Ja — wenn du die richtige Strategie für deinen Alltag wählst. Zwei Modelle funktionieren in der Praxis:
Swing Trading am Ende des Tages — 30–60 Minuten kurz vor Börsenschluss. Du analysierst, was der Markt gemacht hat, filterst Kandidaten, positionierst dich für den nächsten Tag. Tagsüber läuft der Trade ohne dich. Das passt zu jedem, der abends Zeit hat. Wie das konkret aussieht, zeigt Tobias.
Intraday mit geplantem Einstieg — für alle, die bereits am frühen Nachmittag zu Hause sind. Jonas zum Beispiel hat mit seinem Arbeitgeber vereinbart, von 8 bis 15 Uhr durchzuarbeiten — ohne Pause. Ab 15:30 Uhr ist er am Rechner, steigt zur Markteröffnung in US-Aktien ein und hält Positionen kontrolliert bis Tagesende. Kein hektisches Scalping, sondern ein geplanter Einstieg mit klaren Regeln. Seine Geschichte findest du hier.
Wie viel Zeit brauche ich täglich?
In der Routine: 30–60 Minuten am Abend für Swing Trading. In der Lernphase sind es mehr — weil du gleichzeitig das Handwerk lernst und Grundlagen aufbaust. Die ersten Monate sind zeitintensiver als die spätere Routine.
Muss ich den ganzen Tag auf Charts starren?
Nein — zumindest nicht beim Swing Trading. Positionen werden abends analysiert und mit Aufträgen versehen. Tagsüber läuft der Trade, der Stop-Loss schützt die Position. Kein ständiger Bildschirm, kein Handy in der Mittagspause.
Kapital und Kosten
Wie viel Startkapital brauche ich?
Ein sinnvoller Einstieg liegt bei 3.000–10.000 €. Darunter wird es schwierig, das Risikomanagement korrekt umzusetzen — die absoluten Beträge pro Trade werden zu klein, und Transaktionskosten fallen stärker ins Gewicht.
Wichtig: Mit dem Kapital, das du ins Trading einbringst, solltest du dir leisten können, es zu verlieren — ohne dass es deine Lebenssituation gefährdet. Wer mit Geld tradet, das er nicht entbehren kann, trifft schlechtere Entscheidungen.
Was kostet eine Trading-Ausbildung — und brauche ich eine?
Du brauchst keine Ausbildung. Wenn du in der Lage bist, dir Wissen strukturiert selbst zu erschließen und eine Feedbackschleife aufzubauen, reichen kostenlose Ressourcen.
Aber: Die meisten Menschen lernen schneller und mit weniger Lehrgeld, wenn sie einen strukturierten Rahmen haben. Entscheidend ist dabei, was eine Ausbildung vermittelt — ein System, das du selbst anpassen kannst, oder eine Strategie, die du einfach kopierst. Mehr dazu hier.
Brauche ich Fremdkapital (Prop Firms)?
Nein — und ich würde Einsteigern davon abraten.
Das Konzept klingt attraktiv: Du bestehst eine Challenge, bekommst Fremdkapital und handelst ohne eigenes Risiko. In der Realität sieht es anders aus.
Erstens: Prop Firms handeln in den meisten Fällen nicht mit echten Aktien, sondern mit CFDs auf Demokonten. Kein echter Markt, keine echte Börse. Das ist auch kein Zufall — es ist ein Geschäftsmodell. Die Firma verdient an den Challenge-Gebühren, nicht nur daran, dass du erfolgreich bist.
Zweitens: Aktien-Trading ist bereits an echten Märkten schwer genug. Wenn man dann zusätzlich mit künstlichen Drawdown-Limits, Regelwerken und Zeitdruck kämpft, liegt der Fokus auf dem Bestehen der Challenge — nicht auf dem Lernen des Handwerks.
Drittens: Der Traum, eines Tages Millionenkapital zu verwalten, ist das eigentliche Verkaufsargument. Es funktioniert, weil es emotional anspricht. Aber wer das Handwerk nicht beherrscht, wird auch mit Fremdkapital langfristig nicht profitabel sein.
Lernen und Fortschritt
Wie lange dauert es, bis man profitabel ist?
Das hängt stark vom Lernansatz ab. Wer strukturiert vorgeht — Fundament aufbauen, Paper Trading, dann Live-Trading mit kleinem Risiko — kann nach 6–12 Monaten erste reale Einschätzungen treffen. Wer unstrukturiert konsumiert, kann nach Jahren noch am Anfang stehen.
Der ehrlichere Maßstab für die ersten Monate ist nicht Profitabilität, sondern Prozess: Halte ich meine Regeln ein? Verstehe ich, warum Trades funktioniert haben oder nicht?
Warum lerne ich so viel — und komme trotzdem nicht voran?
Das ist das häufigste Problem, das ich in Gesprächen höre. Etwa 75% der Menschen, die Trading lernen wollen, berichten von Informationsüberflutung. Der Grund: mehr Theorie löst das Problem nicht, wenn das Fundament fehlt.
Wer kein Marktverständnis als Grundlage hat, kann Informationen nicht einordnen. Jede neue Methode klingt plausibel — und widerspricht der letzten. Das Ergebnis ist kein System, sondern ein Flickenteppich. Mehr zu diesem Muster hier.
Brauche ich ein Trading-Journal?
Ja. Das Trading-Journal ist das wichtigste Werkzeug zur Selbstverbesserung. Wer nicht dokumentiert, was er getan hat und warum, kann nicht systematisch aus Fehlern lernen. Er erlebt Trades — aber lernt nicht daraus.
Minimal: Datum, Instrument, Setup-Begründung, Einstieg, Stop-Loss, Ergebnis, Kommentar. Wer das konsequent macht, erkennt Muster in seinem Verhalten viel schneller.
Risiko und Psychologie
Was ist Risikomanagement und warum ist es das Wichtigste?
Risikomanagement bestimmt, wie viel Kapital du pro Trade riskierst. Die gängige Faustregel: maximal 1% des Kontos pro Trade. Das klingt konservativ — aber es bedeutet, dass du 20 Trades in Folge verlieren kannst, ohne dein Konto zu gefährden.
Eine Strategie mit einer Win-Rate von 40% kann profitabel sein — wenn das Gewinn-Verlust-Verhältnis stimmt. Eine Strategie mit einer Win-Rate von 70% kann trotzdem Geld vernichten — wenn die Verluste die Gewinne überwiegen.
Risikomanagement ist das Fundament. Alles andere baut darauf auf.
Warum mache ich immer wieder dieselben emotionalen Fehler?
Emotionale Fehler — zu früh verkaufen, Verlierer halten, impulsiv einsteigen — sind fast immer ein Symptom fehlender Regeln. Wer ein klares System hat, hat weniger Entscheidungsspielraum. Und weniger Entscheidungsspielraum bedeutet weniger Raum für emotionale Eingriffe.
Die Lösung ist nicht mehr Willenskraft. Die Lösung ist ein klareres Regelwerk.
Ist Trading Glücksspiel?
Einzelne Trades haben immer ein Zufallselement — kein Mensch weiß mit Sicherheit, wohin sich ein Kurs bewegt. Aber Trading insgesamt ist kein Glücksspiel, wenn man es mit einem Erwartungswert-positiven System betreibt.
Glücksspiel hat einen negativen Erwartungswert — das Haus gewinnt langfristig immer. Trading mit einem funktionierenden System hat einen positiven Erwartungswert — über viele Trades hinweg überwiegen die Gewinne die Verluste, wenn das Risikomanagement stimmt.
Wenn du eine der Fragen vertiefen willst: Die meisten davon werden auf unserem YouTube-Kanal ausführlich behandelt. Oder schau dir an, wie eine strukturierte Ausbildung aussieht.
Felix Hövelborn
Gründer von WirmachenTrader. Handelt seit über 14 Jahren. Experte für US-Aktien.